Alles ist gut. Die Wirtschaft brummt. Die Autobauer feiern ein großartiges Comeback. Der Euro ist sicher. Die Zahlen der Arbeitslosen sinkt auf ein neues Rekordtief. Dieser surreale Potpourri aus der Welt der Qualitätsmedien ist inzwischen so grotesk, dass er nur noch als Kontraindikator der tatsächlichen Befindlichkeit des Systems taugt.
Eine Meldung möchte ich an dieser Stelle gezielt herausgreifen, weil ihre Absurdität besonders leicht überprüfbar, und die Unverfrorenheit der Lüge dahinter besonders augenfällig ist – die dreiste Lüge im Zusammenhang mit der Zahl der Arbeitslosen.
Zunächst die Meldung dazu von N-tv vom heutigen Tage. Dort liest man:
“Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist im Juni wegen der kräftigen Frühjahrsbelebung auf 3,153 Millionen gesunken. Das seien rund 88.000 weniger als im Vormonat und 257.000 weniger als vor einem Jahr, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg mit. Experten hatten ebenfalls mit einem Rückgang auf 3,15 Millionen gerechnet. “Die gute Arbeitsmarktentwicklung der letzten Monate hat sich auch im Juni fortgesetzt. Die wesentlichen Indikatoren haben sich erneut verbessert“, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Grund dafür sei die anhaltende wirtschaftliche Erholung.
Eine Veröffentlichung wie aus der geschlossenen Abteilung der Klappsmühle! An späterer Stelle findet sich dann im gleichen Artikel noch ein weiterer Hinweis, der uns noch beschäftigen wird, dort heißt es: “Die Arbeitslosenquote sank von 7,7 auf 7,5 Prozent”
Werfen wir an dieser Stelle zunächst einen kurzen Blick auf die offiziellen Zahlen der “Agentur für Arbeit” (Achtung PDF) dort findet sich folgendes:
Unterbeschäftigung im engeren Sinne: 4.054.854
In Kurzarbeit: 830.000
Erwerbsfähige Hilfebedürftige (Alg II): 4.998.061
Nicht erwerbsfähige Hilfebedürftige: 1.842.895
Teilnehmer an Maßnahmen: aktiver Arbeitsmarktpolitik 1.579.060
Addieren wir alleine diese offiziellen Zahlen der Agentur ergibt sich daraus eine Zahl von rund 13,305 Millionen Menschen.
Nach Angabe der obigen Meldung entsprechen die aufgeführten 3,153 Millionen Vorzeigearbeitslosen 7,5 Prozent. Ausgehend davon, ergibt sich eine Zahl von rund 42 Millionen Menschen die theoretisch dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stünden. (Diese Zahl hat sich im übrigen in den letzten Jahrzehnten genauso minimal verändert, wie der Anteil an Ausländern innerhalb der BRD Verwaltung.)
Also fast konstant 42 Millionen arbeitsfähige Menschen in den letzten Jahrzehnten??? Das ist sehr merkwürdig, wenn man gleichzeitig die Entwicklung der Alterspyramide im Lande beobachtet. Tatsächlich ist wohl eher von einer Zahl von circa 30 – 34 Millionen Menschen auszugehen, die dem Arbeitsmarkt theoretisch überhaupt zur Verfügung stünden. Aber das ist ein Thema für sich. Setzen Sie doch nun einmal spaßeshalber die Zahl der tatsächlich nicht arbeitenden Menschen (ohne die “Nicht erwerbsfähigen Hilfebedürftigen” und ohne die ohnehin nicht erfassten “Nichtgemeldeten Arbeitslosen und ohne die “via Prämie vorzeitig in Rente Geschickten”) in Relation zu dieser oder auch der offiziellen Zahl. Dann landen Sie bei einer tatsächlichen Arbeitslosenquote von gut 25 – 30 Prozent je nach Ausgangszahl.
Diese Differenz zwischen Propaganda und Realität von rund 330 bis 400 Prozent findet sich übrigens in einem ähnlichen Rahmen bei der offiziellen Angabe der “Staats”Verschuldung, die mit rund 1,725 Billionen u.a. weder die Rentenansprüche noch die Pensionsverpflichtungen beinhaltet und wohl eher mit 5 – 6 Billionen angegeben werden müsste.
Zum Abschluss noch zwei Meldungen die zeigen, dass selbst die absurdeste Propaganda noch zu toppen ist. Einmal hier unter der Überschrift Aufschwungsignal und zum anderen in einer surrealen zynischen Propaganda-auf-Anabolika-Variante hier, jeweils bei der Financial Times Deutschland.
Willkommen in der Anstalt – das Problem – hier haben die Direktion und die Wärter den schwersten Befund.